Biographie

 

Gerard Bunk wurde am 4. März 1888 in Rotterdam geboren. Er studierte Klavier am Konservatorium seiner Heimatstadt, in England, Bielefeld und Hamburg. Das Orgelspiel erlernte der hiervon 'Besessene' weitgehend autodidaktisch; ein Angebot Karl Straubes im Jahr 1908, zum Studium zu ihm und zu Max Reger nach Leipzig zu kommen, schlug er aus.

Beim Dortmunder Reger-Fest 1910 sprang Bunk für Straube im Eröffnungskonzert ein und wurde von Reger anschließend als Lehrer an das Dortmunder Konservatorium empfohlen. Bei dieser Gelegenheit spielte Bunk im Wechsel mit Reger erstmals die im Vorjahr fertig gestellte, u.a. von Emil Rupp disponierte bedeutsame Walcker-Orgel der St. Reinoldikirche. Nach den Worten Oscar Walckers erhielt die Elsässische Orgelreformbewegung mit diesem Instrument, an dem Bunk selbst ab 1925 als Organist wirken konnte, ihre Krönung.
Die Veröffentlichung der 'Legende' für Orgel (opus 29) führte 1910 zum Kontakt mit Albert Schweitzer, dem Bunk nachfolgend weitere Orgelkompositionen sandte, so etwa 1914 die nach ihrer Veröffentlichung zuerst im Berliner Dom aufgeführten 'Variationen über ein altniederländisches Volkslied' (opus 31).

In über 330 'Orgel-Feierstunden' (circa 3.250 erhaltene Programme dokumentieren Bunks Konzerttätigkeit als Organist, Pianist und Chordirigent), in seinem vorwiegend in frühen Jahren entstandenen Orgeloeuvre und auch in Worten hat Gerard Bunk seine 'Liebe zur Orgel' zum Ausdruck gebracht: 1958 erschienen posthum Bunks eben unter diesen Titel gestellte Lebenserinnerungen; darin berichtet der Autor aus erster Hand über die deutsche und die niederländischen Orgelwelt in ihren verschiedenen Verästelungen, über fruchtbare Jahre an der Reinoldi-Orgel bis zu ihrem Untergang 1943/44, aber auch über Einschränkungen der kirchenmusikalischen Arbeit ab 1933. 'Keiner hat so über Orgelbau und Orgelkunst im Wandel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berichtet und das Bild und die Entwicklung festgehalten, wie er es tat,' urteilte Schweitzer.

Gerard Bunk starb 1958 in Kamen bei Dortmund. Er hinterließ ein umfangreiches Gesamtwerk für Orgel, Klavier, Chor, Orchester und Kammermusik, insgesamt 83 Opusnummern. In dem Niederländer ist heute ein Komponist wieder zu entdecken, der von Zeitgenossen wie Schweitzer, Reger, Widor oder Bossi hoch geschätzt wurde.